Zerrissenes Gemeinschafts-Testament bleibt gültig

Ein Ehepaar hatte ein sogenanntes Berliner Testament angefertigt. Auf einem einzelnen DIN-A4 Blatt verfassten die Eheleute jeweils ein Einzeltestament, indem sie sich gegenseitig als Erben einsetzten. Folglich sollten die gemeinsamen Kinder das Vermögen erst dann erhalten, wenn beide Eltern verstorben sind. Später wurde das Blatt in der Mitte zerrissen, so dass die Einzeltestamente getrennt sind. Als der Ehemann nun stirbt, entsteht Streit in der Familie über das Erbe. Die Tochter meint, dass das Testament aufgehoben wurde, indem es zerrissen wurde. Das Oberlandesgericht Schleswig entschied:

„Ein gemeinsames Testament ist auch dann noch gültig, wenn es zerrissen wurde. Es kann nur durch ein gemeinschaftliches neues Testament oder gemeinsame Vernichtung der Urkunde entwertet werden. Auch eine notariell beglaubigte Erklärung gegenüber dem anderen Ehegatten ist möglich. All das liegt hier nicht vor. Damit bleibt das Testament von 1986 gültig. Die Ehefrau ist folglich Alleinerbin ihres Mannes.“

Oberlandesgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 28.05.2018, AZ: 3 Wx 70/17